Gelesen: John Strelecky – Das Café am Rande der Welt

  1. Auflage, erschienen im dtv Verlag. Deutsche Erstausgabe 2007. Erschienen 2003 unter „The Why Are You Here Café“.

Seit zwei Jahren hat es mich aus dem Buchregal angeblickt. Dieses Buch mit dem vielversprechenden Titel „Das Café am Rande der Welt“. Im Untertitel heißt es, es sei „Eine Erzählung über den Sinn des Lebens“. Große Ansprüche hat dieses Cover an seinen Inhalt gestellt. Im Rahmen des Geburtstags eines Freundes habe ich das Buch schließlich gekauft und vor dem Schenken selbst gelesen.

John ist ein Werbemanager und führt ein hektisches Leben. Um diesem wenigstens für ein paar Tage zu entfliehen, macht er sich auf den Weg in den Urlaub, um seine „Batterien wieder aufzuladen“, wie er so schön sagt. Dummerweise verfährt er sich. So richtig. Er irrt durch Dörfer und lange, alte Straßen, bis es dunkel wird. Erst das Licht eines Cafés kündigt John an, dass es in der näheren Umgebung tatsächlich noch Leben gibt.

So parkt John also vor dem Café, tritt ein und merkt, dass er großen Hunger hat. Bevor er jedoch etwas bestellen kann, fallen ihm drei Fragen auf der Vorderseite der Speisekarte auf: „Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Führst du ein erfülltes Leben?“ John ist irritiert, doch tatsächlich versucht er für sich, die Fragen zu beantworten. Die nette Kellnerin Casey hilft ihm auf diesem Weg und versucht, John näher kennenzulernen. Doch auch der Koch Mike sowie ein Paar, das im Café sitzt, erzählen ihm kleine Begebenheiten aus ihrem eigenen Leben, die John dabei helfen sollen, klarer zu sehen und die drei wichtigen Fragen zu beantworten. Denn sie alle haben irgendwann einmal in ihrem Leben einen Punkt erreicht, an dem sie mit der gegenwärtigen Situation nicht mehr glücklich waren und die daraufhin ihr Leben und ihre Einstellung änderten. Ob John es schafft, aus seinem routinierten Alltag auszubrechen und den Sinn in seinem Leben, in seiner Existenz, zu erkennen…?

Wer von dem Buch erwartet, eine Antwort auf seine persönliche Sinnkrise zu finden, kann von ihm entweder enttäuscht oder überrascht werden. Enttäuschend kann es für Menschen werden, die hier eine detaillierte Anleitung erwarten, wie man sein eigenes Leben verbessern kann. Diejenigen werden erleben, dass die Erzählung, die Ereignisse, ja sogar Johns im Buch gezeichnetes Leben allgemein gehalten und eher vage als besonders ausgeschmückt und detailliert sind. Diesen Menschen würde ich allerdings entgegenhalten, dass das meiner Meinung nach auch nicht der Anspruch des Buchs ist.

Wer hingegen die kleine Erzählung, die man gut an einem Nachmittag lesen kann, als Gedankenanstoß zum Nachdenken über das eigene Leben, seine Wünsche und Vorstellung nimmt, der wird einige weise und subtile Anregungen in dem Buch finden. Die Charaktere sind nicht detailreich beschrieben, aber genau das macht sie zu den Menschen, der jeder von uns sein kann. Sei es Werbemanager, Verkäuferin oder Banker. So wird den Lesern ermöglicht, auch sich selbst an Johns Stelle zu setzen und das „Café der Fragen“ zu betreten. Das Buch liefert keine Anleitung, wie das Leben am besten zu gestalten oder umzugestalten ist. Es liegt an jedem selbst, die individuelle Antwort zu finden und das ist es, was das Buch für mich sehr wertvoll macht.

Hast du deinen Sinn des Lebens bereits gefunden?

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2 Gedanken zu “Gelesen: John Strelecky – Das Café am Rande der Welt

  1. Hallo!

    Das ist witzig, denn auch mich zieht es beim Stöbern durch die Buchhandlungen jedes Mal zu diesem Buch, jedoch fehlte immer der „leichte“ Schubs um einen genaueren Blick hineinzuwerfen – deswegen ist es gut, dass ich auf deine Rezension gestoßen bin, denn ich glaube, dass das Buch sich genau deshalb – weil die Charaktere nicht so detailreich gezeichnet sind, sich auf jeden Typ Leser gut anpassen und eine andere Wirkung hinterlässt.
    Eine sehr gelungene Rezension – ich werde sicher mal genauer reinschauen! 🙂

    Ich lasse ganz liebe Grüße da
    Natascha

    Gefällt 1 Person

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