Filmtipp: „Die Verurteilten“

The Shawshank Redemption; USA 1994; Regie: Frank Darabont.

Der Bankmanager Andy Dufresne wird 1947 zu lebenslanger Haft verurteilt, nachdem er des Mordes an seiner Frau und ihrem Liebhaber angeklagt wurde. Seine Strafe muss er im Shawshank-Gefängnis absitzen. Schon von Anfang an wird klar: Der Mann ist anders als die anderen und er passt so gar nicht zu dem Verhalten seiner Mithäftlinge.

Anfangs hat Andy einige Schwierigkeiten: Vergewaltigungen durch Mithäftlinge und Korruption sowie Gewalt der Aufseher stehen für ihn an der Tagesordnung. Zum Glück freundet er sich mit dem Mithäftling Red an, der in Andy auch jemanden sieht, der nicht wirklich in das Gefängnis passt.

Da Red gegen den entsprechenden Preis viele Dinge beschaffen kann, lässt Andy sich einen Hammer von ihm besorgen, der für ihn noch von äußerster Wichtigkeit sein wird.

Mit der Zeit steigt Andy im Ansehen der Wärter auf, als Assistent des Insassen Brooks baut er sogar die Gefängnisbibliothek auf und kümmert sich anschließend auch noch um die Geldangelegenheiten des Gefängnisses. Mit der Zeit wird er immer mehr in die korrupten Geschäfte des Direktors des Shawshank mit reingezogen, sodass Andy mit der Zeit Beweise gegen ihn sammeln kann.

In der Zwischenzeit wird Brooks nach vielen Jahrzehnten der Haft als alter Mann aus der Gefangenschaft entlassen. Er kommt mit seinem Leben jedoch nicht zurecht; er will gar zurück ins Gefängnis, wo alles so sicher und geordnet schien. Er bringt sich letztendlich selbst um.

Sein Selbstmord macht unter den Insassen natürlich die Runde. Auch andere Häftlinge fragen sich, ob sie mit dem Leben „da draußen“ zurechtkommen würden.

Währenddessen gibt es mittlerweile Beweise dafür, dass Andy unschuldig am Mord seiner Frau ist. Der Direktor will davon jedoch nichts wissen – und lässt Beweise, sprich Menschen, verschwinden.

Nach 19 Jahren Haft jedoch gelingt Andy, was wohl sonst noch niemandem mit einem einzelnen Hammer gelungen ist: Er kann aus Shawshank fliehen, nicht jedoch ohne vorher die Informationen über die korrupten Geschäfte des Direktors der Presse zuzuspielen. Auch finanziell hat Andy vorgesorgt: mit den Unterlagen des frei erfundenen Randall Stephens, in dessen Namen die illegalen Geschäfte im Gefängnis geführt wurden, geht Andy über alle Berge nach Mexiko, um sich dort ein neues Leben aufzubauen.

Seine Freundschaft zu Red überdauert das alles. Mit Informationen, die Andy ihm zuvor gab, schafft Red es nach seiner Entlassung, seinen alten Freund wiederzufinden.

Das ist freilich nur eine kurze Zusammenfassung des sowohl langen als auch genialen Films Die Verurteilten. Dass der Film auf ImdB auf Platz eins der am besten bewerteten Filme aller Zeiten steht, hat seine Berechtigung aus mehreren Gründen.

Der Film basiert auf Stephen Kings Novelle Rita Hayworth and the Shawshank Redemption. Tim Robbins als Andy Dufresne und Morgan Freeman als Red, der auch der Erzähler ist, sind eine großartige Besetzung. Andy strahlt eine solche Ruhe, ja fast schon Gelassenheit aus, dass man glauben könnte, er sei nicht im Gefängnis. Er lässt sich so schnell nicht brechen, auch nicht nach den Vergewaltigungen und den Machtspielen der Gefängnisaufseher. Red, sein bester Freund, ist ein Mann, der in Andy sofort einen Freund sieht. Jemand, der anders ist als die anderen. Red ist jemand, der offen und zugänglich wirkt, der aber dennoch den Respekt und das Ansehen aller anderen Häftlinge gewonnen hat.

Mich hat die ruhige Art von Andy und Red begeistert. Auch ihre Freundschaft wirkt so ruhig, unaufgeregt und einfach echt. Das beweist vor allem das Ende des Films, wenn beide Männer nach jahrelanger Gefangenschaft und nach Entlassungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten wieder zueinander finden. Dadurch bekommt der ganze Film eine positive Note, auch wenn es natürlich viel Gewalt und schlimme Szenen gibt. Mit Red als Erzähler bekommt die Geschichte außerdem einen sehr epischen Beigeschmack. Als Zuschauer bleibt das Gefühl, dass man gerade etwas ganz Großem zugesehen hat.

Ein weiterer Gedanke, der mir während des Films kam, war das Gefängnis als eine Art Mikrokosmos. Wie oft macht man sich als freier Mensch schon Gedanken darüber, wie es sein könnte, wenn man jahrelang im Gefängnis verbringt? Da drin dreht sich die Welt anders. Das Leben wird von außen kontrolliert, vielleicht hat man eine sinnvolle Beschäftigung, eine Arbeit, die man in der Zeit der Gefangenschaft erledigt. Bei Brooks waren es die Bücher, bei Andy war es die Buchhaltung. Vielleicht war man dort besonders angesehen, so wie Red, der fast jedem gegen die entsprechende Bezahlung Güter verschaffen konnte und den nötigen Respekt bekam. Vielleicht ist es auch das regelmäßige, wenn auch nicht besonders schmackhafte Essen. Regelmäßigkeit, Arbeit, Ansehen, Freundschaft. All das kann einfach wegbrechen, wenn man wie Brooks nach so vielen Jahren entlassen wird. Er kommt nicht nur einfach in die Freiheit zurück: er betritt eine Welt, die es so noch nicht gab, als er verurteilt wurde. Viele Autos fahren plötzlich, wo früher nur vereinzelte Wagen zu sehen waren; die Welt dreht sich schneller. Brooks war ein alter Mann, vielleicht auch nicht mehr dazu bereit, sich anzupassen. Er suchte zuerst Wege, um wieder ins Shawshank zurückzukehren; spielte mit dem Gedanken, eine Straftat zu begehen. Letztendlich blieb ihm der Selbstmord. Können wir es beurteilen, wie sich das anfühlt? Wohl kaum. Doch der Film gibt in dieser Hinsicht einen sehr guten Denkanstoß. Was bedeutet Freiheit? Hat Freiheit für jeden dieselbe Bedeutung? Und ist Freiheit immer gleichbedeutend mit Sicherheit? Da gäbe es wohl viele verschiedene Ansichten, wenn wir die Insassen befragen würden.

Denkwürdig ist außerdem die Gewalt der Aufseher im Gefängnis. Könnte es so etwas heutzutage noch geben? Der gesunde Menschenverstand würde nein sagen, aber wie sieht es in anderen Teilen auf der Welt aus?

Alles in allem ist Die Verurteilten also in jeder Hinsicht ein absolut sehenswerter Film. Freundschaft, Genialität, Einfallsreichtum und existentielle Fragen – all das wird dort abgedeckt, ohne jemals langweilig oder langatmig zu werden.

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